Flo 41   V3:  Cornone

ein extrem bassstrarkes, schnelles, feinzeichnendes und impulstreues Horn


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Nach langer Zeit habe ich wieder einmal ein backloaded Horn gebaut, dessen Entwicklung, Simulation, Konstruktion und Messung ich so akribisch beschreiben möchte, dass auch der ungeübteste Musikliebhaber diesen Lautsprecher (nach-) bauen und sich an  ihm erfreuen kann.

Die Idee für den Lautsprecher entstand durch die Empfehlung eines Bekannten, ein kleines französisches Breitband-Chassis doch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und es, wenn möglich, in ein Horn zu integrieren. 

Es handelte sich um das Chassis "LB5" des französischen Lautsprecherherstellers EMS.

Und selbstverständlich wollte ich nicht auf meinen geliebten Horntreiber BMS 4524 verzichten.

Wichtig war mir ein extrem tiefer Bass, der nur mit einem ebenso extrem langen Horn zu erreichen ist. Und da das französische Chassis mit einem Durchmesser von gerade mal 10cm und einem  Qts von 0,130 ! bestens horngeeignet ist, wagte ich das Abenteuer.

Die Simulation versprach viel:

So begab ich mich an den Bau der ersten Version (V1), konstruierte und baute ein sehr schmales und breites Horn mit einem seitlichen Hornaustritt.

Das Ergebnis: exclusive, dafür aber überraschend beindruckend und so wie die Simulation es voraussagte!

Wie immer spielte ich viele CDs aller Genres durch und war mehr und mehr von diesem kleinen, starken und schnellen Treiber mit seinen sauberen Mitten und seinen  feinzeichnenden Höhen überzeugt. Der Bass ist gewaltig, staubtrocken, detailreich und knackig. Ein bisschen Sorgen bereitete mir die Membranauslenkung bei Frequenzen unterhalb von 30 Hz, aber selbst bei extrem basshaltigen Musiken - welcher Bass geht schon tiefer als 30Hz ?- hielt sich die Membranauslenkung in den erlaubten Grenzen. Auf einen separaten Superhochtöner wollte ich dennoch nicht verzichten und integrierte seine Trennung und Anpassung bereits in das Entzerrnetzwerk. Die kleine Entzerrung für den Betrieb ohne Hochtöner lässt sich abschalten. Und für die Röhrenfreunde ist auch bereits eine Impedanzanpassung vorgesehen:

Der nächste Schritt war die Messung.

- Schalldruck SPL bei einem Meter: (bei abgeschalteter Entzerrung ca. 91dB)

   

- der Amplitudenfrequenzgang

per Hand diskret:

- gewobbelt:

 

- Ermittlung des unteren -3dB-Punktes: 40Hz

- Ermittlung des oberen -3dB-Punktes: 16375Hz

- die Impedanzanpassung: (per Hand gemessen):

auf eine Anpassung im Bereich ab 10000Hz habe ich verzichtet, da durch die Parallelschaltung des Hochtöners, getrennt mit 1 myF (6dB/Oktave), sich in diesem Bereich eine Impedanz von ca. 8 Ohm einstellt.

Das Gehäuse (V1) in dieser Form habe ich zwischenzeitlich an einen Lautsprecherhersteller aus der Nähe von Köln verkauft, der diesen Lautsprecher wohl demnächst in seiner wohlbekannten Qualität, bestens überarbeitet, auf den Markt bringen wird.


Als Nachfolger baute ich einen Standlautsprecher mit den gleichen Hornparametern, Hornaustritt nach hinten, aber anders gefaltet:

   

Er ist gut gelungen und gefällt mir optisch besser. Sein klangliches Verhalten entspricht dem der Version 1. Aber leider ist er mit einer Höhe von 130 cm etwas zu hoch geraten, so dass sich die Chassis nicht auf Ohrhöhe befinden. Außerdem ist er, gegeben durch den rückwärtigen Hornaustritt, aufstellungsempfindlicher.

Diesen Plan in Kombination mit dem Hochtonhorn T1040, BMS 4524, Weichenlayout inklusive Impedanzentzerrung und benötigter Teile stelle ich Ihnen gerne zum Eigenbau dieses backloaded Horns gegen Bezahlung zur Verfügung. Das Breitbandchassis LB5 müssten Sie sich beim Deutschlandvertrieb von EMSspeaker selbst beschaffen. Eine furnierte Frontplatte, wie abgebildet, könnte ich ggf. auch beschaffen.

Die Masse der Box (HBT): ca. 135cm * 24cm * 28cm , je nach Materialstärke.


Die Version V3

Bei dieser Version habe ich mich redlich bemüht den Aufbau so einfach wie möglich zu gestalten. Das Horn ist so konstruiert, dass es in der Nachbauversion mit einfachen, in jedem Baumarkt erhältlichen Regalbrettern der Breite 25cm aufgebaut werden kann. Die Regalbretter müssen nur auf Länge geschnitten werden.

Vorweg: dieses backloaded Horn in der Version V2 habe ich bereits mit mehreren Chassis, wie z.B. den Fostex FE126 E und einigen Tangband-Chassis simuliert und z.T. getestet.  Gerne bin ich bereit auch die zu Ihrer Sammlung gehörenden Treiber zu simulieren und die BL-Tauglichkeit zu  prüfen.

Die dritte Version ist eine Neufaltung, nur dass der Hornmund sich in unmittelbarer Nähe des Chassis befindet. Alles Andere, wie Rückkammervolumen, Hornlänge und Hornvolumen, ist wie bei den Versionen V1 und V2.

Nun möchte ich Sie einladen den Aufbau dieses Lautsprechers in Wort und Bild zu verfolgen. Seien Sie gespannt!


1. Der Zuschnitt

Sie brauchen 12 weiß beschichtete Regalbretter, 16mm stark und 120cm lang. Diese werden nach Plan im Baumarkt gekürzt. 

             

Ist alles vorhanden, dann kann der Zusammenbau beginnen.

2. Der Zusammenbau des Korpus

Als erstes wird die Druckkammer zusammen geklebt, welche später auf das Horn aufgeschraubt wird, gebaut. Es ist wichtig dass diese von hinten zugänglich ist, da auch das Chassis von hinten an die Frontplatte geschraubt wird.

      

Die Platten können mit einem guten Kleber zusammen gefügt und verdübelt werden. Diese Arbeit habe ich mir für den Versuchsaufbau gespart und im Nachhinein die Verbindungen mit Holzschrauben fixiert. Der Hornverlauf ist mit Dreieckleisten aus dem Baumarkt abgerundet.

   

Der Korpus wartet jetzt auf seine Lackierung (spritzen oder rollen), vorher sollten aber noch verspachtelte Kanten geschliffen werden.

3. Der Aufbau der Weiche

Damit auch der ungeübte Elektroniker damit klar kommt, habe ich diese auf einem kleinen Brettchen aufgebaut. Die Löt-Ösen werden mit Holzschrauben auf das Brett geschraubt und schwere Bauteile, wie die Eisenspulen für die Impedanzentzerrung, zusätzlich aufgeklebt. Selbstverständlich kann die "Weiche" auch mit hochwertigeren Bauteilen, wie z.B. Mox-Widerständen, aufgebaut werden. Die Eisenkernspulen sind geringer Güte, ihr ohmscher Widerstand wird mit dem Parallelwiderstand "verrechnet".

Impedanzentzerrung  

Entzerrung für den Breitbänder  

Weiche und Pegelanpassung für Hochtonhorn

Sie können auch vollkommen auf diesen Aufbau verzichten, wenn Sie

- keine Impedanzentzerrung brauchen

- auf diese winzige Korrektur des Breitband-Chassis und

- auch auf ein zusätzliches Hochtonhorn verzichten (die Weiche könnte auch im Gehäuse des Hochtonhorns verstaut werden)

Allerdings empfehle ich die drei genannten Funktionen bereits vorzusehen, da ein nachträglicher Einbau umständlicher ist.

Der Hochtöner kann an das Bi-Amping-Terminal, eingebaut im hinteren Teil der Druckkammer, angeschlossen und mit dem Pegelsteller akustisch an den Raum angepasst werden.

4. Die Behandlung der Frontplatte, der Grundplatte und des Diffusors

Die Frontplatte und den Diffusor -in diesem Fall aus massiver Kirsche- habe ich noch etwas nachgeschliffen. Beide müssen noch geölt und gewachst werden.

  

5. Die Montage

... gestaltete sich komplizierter als ich dachte. Problematisch war die Montage der Druckkammer auf den Horn-Korpus. Diese Konstruktion werde ich noch ändern und als Montageklappe -das Chassis muss ja von hinten zugänglich sein- eine massive Plexiglasplatte anschrauben.

Dann erfolgte die Montage der Komponenten:

- Dämmung der Druckkammer, aufschrauben der Frontplatte, Befestigung des Diffusors und Einbau des Chassis.

  

- Befestigung von vier Gummifüßen und Montage der Grundplatte; Einbau von Terminal und Pegelsteller für das optionale Hochtonhorn

  

- Druckkammer auf Horn montieren

 

- fertig!

Die Maße des Hornlautsprechers (HBT): 117,0cm x 28,2cm x 25,0cm

- hier mit AddOn (den gibt es schon etwas länger und das Kirsch-Holz ist schon etwas rötlicher/dunkler)


Das Werk ist zuerst einmal vollbracht und es erfüllt mich mit Zufriedenheit und Stolz.

Dennoch werde ich darauf verzichten den Lautsprecher in den Himmel zu loben, da ich ihn zuerst einmal von mir bekannten Musikern beurteilen lassen werde. 

Ein paar Änderungen werde ich noch vornehmen, da sich die Montage der Box komplizierter gestaltete als ich dachte. Die Druckkammer wird beim nächsten Aufbau fest mit dem Horn verklebt. Als Montageklappe/Terminal wird entweder eine Plexiglas- oder Metallplatte an die Rückwand verschraubt, die auch die Platine der Weiche tragen wird. So ist alles gut zugänglich und auch der Austausch/Upgrade der Chassis wird damit gut zu realisieren sein. Den Schalter und den Widerstand für die Entzerrung des Breitbandchassis werde ich noch durch einen zweiten Pegelsteller ersetzen, so dass Sie das klangliche Bild individuell an Ihren Hörraum anpassen können.

Den allerletzten Schliff geben Sie diesem Lautsprecher!

 

Jetzt werde ich aber zuerst einmal diesen Lautsprecher genießen und meine Sammlung durchspielen. Bei der Gelegenheit wird auch das Chassis gut eingespielt.

 

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